Erlangens Kultkneipe

Unsere Geschichte

Vor vielen Jahren warfen wir schon einmal einen Blick ins Stadtarchiv. Allerdings konnten wir viele der Dokumente damals gar nicht entziffern und die Scans waren einigermaßen teuer. Wir ließen uns nur ein paar Kopien, zur Deko, erstellen. Heute macht die KI vieles möglich (ja, es ist nicht alles schlecht 😉) und hilft uns die Dokumente entschlüsseln zu können. Das hat unsere Lust auf weitere Nachforschungen geweckt und so werden wir das Stadtarchiv erneut aufsuchen und diese Seite Stück für Stück erweitern und die vorhandenen Lücken schließen.

Bis dahin kannst du aber schon ein bisschen stöbern, denn einiges ist auch schon bekannt, teilweise sogar durch Zeitzeugen. Wenn unsere Mauern reden könnten, sie hätten definitiv sehr viel zu erzählen. 

Gambrinus Geschichte
Genehmigung für den Bau Eines Wohnhauses wurde 1864 erteilt
Antragsteller: Der Maurer Andreas Rösch
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Dokument über Nachlass 1866

Die Anfangsjahre

1864 wurde dem Maurermeister Andreas Rösch die Genehmigung zum Bau eines Wohnhauses erteilt. Wichtige Auflage: Die Westseite des Hauses muss massiv aus Bruchsteinen errichtet werden, um als Brandmauer gegen das Nachbargebäude zu dienen. Damals war es durchaus üblich für Maurer sich ihre eigenen Häuser zu errichten. Die Nähe zu den Steinbrüchen erleichterte die Arbeit.

Aus dem letzten Dokument oben geht allerdings hervor, dass es 1866 bereits einen Nachlass gab. Vermutlich ist der Maurer zu Tode gekommen. Der Nachname ist schwer zu entziffern, es könnte sich aber um die Ehefrau handeln.

Die Jahre im Anschluss müssen wir noch erkunden. Bis 1898 haben wir bislang eine relativ große Lücke in der Zeitachse.

Auszüge aus den Bauplänen 1898-1900
Auszug aus den Bauplänen 1898-1900
Gambrinus Bauakte 1900
Genehmigung der Pissoirs-Preis 50 Pfennig

Georg Pickelmann und die Gründung des Gambrinus

Unsere Geschichte geht weiter in 1898. Georg Pickelmann, ein Steinbruchbetreiber, war oder wurde Inhaber des Gebäudes in der Vierzigmannstraße. Steinbruchbetreiber waren damals wohlhabende und sehr angesehene Leute, ebenso wie Gastwirte. Viele Steinbruchbetreiber bauten sich damals Keller oder Gaststätten, da sie das nötige Material und die Arbeitskräfte hatten. So entstanden solide Bierkeller, die das Bier auch im Sommer kühl hielten. 

Finanziell war es Pickelmann möglich eine Reihe von Häusern in und um die Vierzigmannstraße zu errichten. Unser Komplex wurde mit Wohneinheiten und einer Gaststätte im Erdgeschoss geplant und umgesetzt. Der Erlanger Norden war damals das florierende Stadtgebiet Erlangens. Die am Berg ansässigen Keller beliefert die umliegenden Gaststätten täglich mit ihren Bierkutschen, sodass auch das Gambrinus frisches und kühles Bier anbieten konnte.

Damals stand übrigens noch kein Nachbarhaus und die Einfahrt war viel breiter. Die Kutschen konnten passieren und hinter dem Lokal abladen. Man munkelt sie gönnten sich dann auch gerne das eine oder andere Bierchen.

Das Hinterhaus, den Biergarten und den Anbau gab es damals noch nicht. Unsere heutige Lounge war die ehemalige Betreiberwohnung. In den Thekenraum gelangte man damals noch über einen Eingang an der Seite. Der Gastraum war zeitgleich Wohnzimmer und Bewirtungsstube für den Betreiber.

Zu trinken gab es Bier. Dieses kam täglich in einem 50 Liter Fass. Groß und richtig schwer und gar nicht so leicht anzustechen. Wenn das Bier leer war, dann wurde man heimgeschickt. Das war übrigens ein Zeichen von Qualität, denn es bedeutete, dass kein warmes Bier vom Vortag ausgeschenkt wurde. Kühlanlagen gab es ja noch nicht.

Zum Essen gab es einfache Brotzeiten oder man brachte sich sein Essen einfach selbst mit.

Georg Pickelmann war ein wohlhabender und fortschrittlicher Gastronom. Das Gambrinus gehörte zu einer der modernsten Gastronomien seiner Zeit. 1900 bekam es sogar eigene Pissoirs hinter dem Haus. Für die damalige Zeit eine echte Innovation. (Fun Fact: Der Bauantrag für die Pissoirs kostete 50 Pfennig).

Gambrinus wurde übrigens vielerorts als Bierkönig angesehen. Gerade prestigeträchtige Brauereien und Gastbetriebe benannten sich gerne nach ihm, weshalb sich Pickelmann wohl auch für ihn entschied.

Gambrinus Bauakte
Genehmigung eines Automaten
Die erste Leuchtreklame
Gambrinus Geschichte Bauakte
Dokumentation des ersten Leuchtschildes

Von der Brotzeitstube zur modernen Studentenkneipe

Wie lange Pickelmann oder seine spätere Pächterin Anni das Gambrinus genau betrieben oder besaßen, können wir aktuell nicht sagen. Wir werden durchs Archiv schauen. Es lagen aber 2 Kriege dazwischen und die Zeiten waren sicherlich nicht immer golden. Sicher ist, dass in den späten 1950ern ein Immobilieninvestor das Gebäude kaufte und das Gambrinus verpachtete. 

Damals waren Wirtschaften allerdings nicht das was wir uns heute unter einer Kneipe vorstellen. Kennst du den Film „die Feuerzangenbowle“? So darfst du dir die damalige Gastro Landschaft in etwa vorstellen. In erster Linie eine Männerdomäne. Ein Ort an dem sich alle Schichten trafen um zu debattieren, diskutieren, rauchen und zu trinken. Eine Kneipe war Wohnzimmer, Buschfunk und Schlachtfeld in einem. Heute würde man das wohl „Altherrenkneipe“ nennen, nur dass die alten Herren von heute damals noch gar nicht geboren waren. 😉

Anfang der 1970er Jahre taten sich dann 3 junge, ambitionierte Studenten und ein junger Schreiner zusammen. 4 Freunde, mit einer Vision eine neue Art von Gastronomie nach Erlangen zu bringen. Sie pachteten das Gambrinus und gestalteten es nach modernen Standards. Lautsprecher und eine Musikanlage wurden installiert, gemütliche Sitzecken für Gruppen wurden geschaffen. Eine neue, lange Theke und ein modernes Kühlsystem boten Raum für allerlei Auswahl. Zur abendlichen Unterhaltung wurden Brettspiele bereitgestellt. Es waren hunderte vorhanden, die die Gäste sich ausleihen konnten. Zum essen gab es französische Galettes und Crepes, damals absolute Trendgerichte. 

Das Konzept schlug ein wie eine Bombe und Generationen von Studenten machten das Gambrinus zu ihrem temporären zu Hause. Es wurde angebaut, umgebaut, ein Biergarten kam dazu, es wurde erweitert und modernisiert. In den 1980ern kauften 2 der ehemaligen Studenten schließlich den Laden. 

Über die Zeit in den 1990ern möchten wir nicht zu viel sagen. Viele der Älteren werden sich ohnehin darin erinnern welche Schwierigkeiten es gab und was schließlich auch zur Geschäftsaufgabe führte. 

Unser Ziel

Uns ist es heute ein Anliegen genau das zu sein was das Gambrinus schon immer war und sein wollte. Ein Treffpunkt für Jung und Alt, eine Stätte der Begegnung, ein Wohnzimmer außerhalb der eigenen 4 Wände. Wir stellen keine 50 Liter Fässer mehr auf die Theke, aber ihr bekommt 10 Liter Fässer auf den Tisch, ohne Limit und immer frisch und gut gekühlt. Uns ist es wichtig, dass du dich wohl fühlst und der Kneipenbesuch auch heute noch finanzierbar ist. Und wir wollen neue Geschichten schaffen, die diese alten Wände noch Generationen nach uns erzählen könnten.

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